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Cannabis und Psychose

Dr. Vlasios Kappos

Cannabis ist heutzutage sehr weit verbreitet. In den meisten Industrieländern stellt es die am häufigsten konsumierte illegale Droge dar. Immer mehr und vor allem immer jüngere Menschen gehören zu den regelmäßigen Cannabiskonsumenten.


Cannabis war auch noch nie so umstritten wie heute. Von den Cannabisbefürwortern wird es als harmloses „Naturmittel“, welches sogar gesund sein soll, angesehen, für die Gegner ist es eine gefährliche Einstiegsdroge. Auch bezüglich des Zusammenhangs von Cannabiskonsum und dem Auftreten von Psychosen sind die Öffentlichkeit, die Betroffenen und teilweise auch die Professionisten geteilter Meinung. Tatsache aber bleibt, dass unter psychotischen Menschen überdurchschnittlich oft Cannabis konsumiert wird.

Allgemeines

Cannabis wird aus der weiblichen Form der Pflanze Cannabis sativa gewonnen. Der „Wirkstoff“ von Cannabis ist als THC (Tetrahydrocannabinol) bekannt. Die Konzentration von THC hat sich durch verbesserte Kultivierung in den letzten Jahren vervielfacht, was bedeutet, dass die berauschende Wirkung von Cannabis heute viel stärker ist, als z. B. in den 70ern.
Wirkung

Beim Rauchen wirkt Cannabis schon nach wenigen Minuten und die Wirkung dauert bis zu ca.
4 Stunden an. Typische psychische Effekte sind Euphorie, Antriebsminderung, eine
Abnahme der Konzentration und der Aufmerksamkeit aber auch Wahrnehmungs-veränderungen. Gelegentlich können auch Ängstlichkeit und Panikattacken auftreten. Körperlich kann Cannabis zu einem Temperatur- Blutdruck- und Herzfrequenzanstieg, Schläfrigkeit, Hunger, Durstgefühle, Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Gangunsicherheit, Zittern und Mundtrockenheit führen.

Cannabis und Psychose

Zahlreiche Studien bestätigen, dass Schizophrene vermehrt Cannabis im Vergleich zur Durchschnittsbevölkerung konsumieren, vermutlich um die Symptome ihrer Erkrankung zu behandeln. Vor allem wenn sie erregt, ängstlich oder depressiv sind, versuchen sie sich damit zu beruhigen bzw. aufzuheitern. Des Weiteren werden damit Nebenwirkungen von Medikamenten bekämpft bzw. vermindert, was kurzfristig erfolgsversprechend sein kann. Langfristig kommt es jedoch zu einer Verschlechterung des Zustands und zur Verstärkung der psychotischen Symptome.

Der Zusammenhang zwischen Cannabiskonsum und dem Auftreten von psychotischen Erkrankungen ist sicherlich noch nicht eindeutig und zufriedenstellend erklärt. Aus den vorhandenen Studien und Untersuchungen lassen sich jedoch inzwischen folgende Schlüsse ziehen:

Es ist allerdings unumstritten, dass THC vorübergehende toxisch-organische Reaktionen auslösen kann, die mit Verwirrtheit, Gedächtnisverlust, Wahnvorstellungen, Halluzinationen, Ängstlichkeit und Erregung verbunden sind. Die Symptome verschwinden jedoch bei Abstinenz innerhalb von Stunden bis Tagen.

Der Gebrauch von Cannabis kann den Zeitpunkt der Erstmanifestation einer Schizophrenie beschleunigen und den Verlauf der Erkrankung verschlechtern. Psychotische Symptome werden verstärkt und die Wirksamkeit von antipsychotischen Medikamenten vermindert.

Hingegen ist es unklar, ob Cannabiskonsum auch eine chronische psychotische Erkrankung auslösen kann. Wahrscheinlich löst Cannabis Schizophrenien bei Menschen aus, die auch ohne diesen Einfluss irgendwann erkranken würden. Die Häufigkeit der Erkrankung ist nämlich trotz vermehrten Cannabiskonsums in den letzten Jahren nicht gestiegen.