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Die
Schizoaffektiven Störungen sind in der Internationalen Klassifikation
psychischer Störungen ICD 10 Kapitel V (F) in der Gruppe
„Schizophrenie, schizotype und andere wahnhafte Störungen“
(F2) zu finden.
Schizoaffektive Störungen sind episodische Ereignisse, bei
denen sowohl affektive als auch schizophrene Symptome in derselben
Krankheitsphase auftreten, meistens gleichzeitig oder höchstens
durch wenige Tage getrennt. Ihre Beziehung zu den typischen affektiven
und schizophrenen Erkrankungen ist unsicher. Patienten, die unter
wiederkehrenden schizoaffektiven Episoden leiden, besonders solche,
deren Symptome eher manisch als depressiv sind, zeigen in der
Regel eine vollständige Rückbildung und es bleibt nur
selten ein Restsymptom zurück. Die Diagnose einer schizoaffektiven
Psychose sollte nur dann gestellt werden, wenn sowohl eindeutig
schizophrene als auch eindeutig affektive Symptome gleichzeitig
oder nur durch wenige Tage getrennt während derselben Krankheitsepisode
vorhanden sind.
In Abhängigkeit von der jeweiligen stimmungsmäßigen
Komponente der Störung können drei Subtypen bezeichnet
werden:
- „Schizoaffektive Störung gegenwärtig manisch“
bzw.
- „gegenwärtig depressiv“ oder
- „gegenwärtig gemischt“.
Bei der „schizoaffektiven Störung
gegenwärtig manisch“ handelt es sich um eine Störung,
bei der sowohl schizophrene als auch manische Symptome in derselben
Krankheitsphase auftreten.Die affektive Störung ist gekennzeichnet
in Form einer gehobenen Stimmung, vermehrtem Selbstbewusstsein
und Größenideen. Gelegentlich stehen auch Erregung
und Gereiztheit mit aggressivem Verhalten und Verfolgungsideen
im Vordergrund.
Bei der „schizoaffektiven Psychose gegenwärtig
depressiv“ treten während derselben Krankheitsepisode
sowohl schizophrene als auch depressive Symptome auf. Die depressive
Stimmung wird von mehreren depressiven Symptomen bzw. Verhaltensauffälligkeiten
wie Verlangsamung, Schlaflosigkeit, Antriebs-, Appetit- oder Gewichtsverlust,
Verringerung der üblichen Interessen, Konzentrationsstörungen,
Schuldgefühlen und ähnlichem begleitet.
Unter einer „gemischten schizoaffektiven
Störung“ sind Symptome einer Schizophrenie mit solchen
einer gemischten bipolaren affektiven Störung gemeinsam bestehend,
das bedeutet, es besteht ein Abwechseln von manischen und depressiven
Episoden, unterbrochen von Perioden normaler Stimmungslage. Manische
und depressive Symptome können aber auch gleichzeitig vorhanden
sein. Dabei kann gleichzeitig eine depressive Stimmung tage- oder
wochenlang von Überaktivität und Rededrang, oder eine
manische Stimmungslage von Größenideen und Agitiertheit
begleitet sein. Depressive, hypomanische und manische Symptome
können aber auch rasch von Tag zu Tag, von Stunde zu Stunde,
wechseln.
Im Zusammenhang mit einer schizoaffektiven
Erkrankung können geringe berufliche Leistungsfähigkeit,
eingeschränkte Sozialkontakte, Schwierigkeiten bei der Selbstfürsorge
oder ein erhöhtes Suizidrisiko auftreten.
Das typische Erkrankungsalter ist das frühe Erwachsenenalter,
obwohl der Krankheitsbeginn zu jedem Zeitpunkt von der Jugend
bis zum höheren Lebensalter erfolgen kann.
Betreffend das familiäre Verteilungsmuster gibt es deutliche
Hinweise, dass die biologischen Verwandten ersten Grades von Personen
mit schizoaffektiver Störung ein erhöhtes Schizophrenierisiko
haben. Verwandte von Personen mit schizoaffektiver Störung
haben auch ein erhöhtes Risiko für affektive Störungen.
Die klinische Vielfältigkeit schizoaffektiver
Störungen stellt eine große therapeutische Herausforderung
dar.
Betreffend die Therapie akuter schizomanischer Episoden sprechen
sowohl kontrollierte Studien als auch die klinische Erfahrung
für den Einsatz von Neuroleptika als Mittel erster Wahl.
Bei hochgradig erregten schizomanischen Patienten sind neben den
hochpotenten zusätzlich niedrig potente Neuroleptika wegen
derer sedierenden Wirkung zu empfehlen. Bei affektdominanten schizomanischen
Krankheitsepisoden ist auch eine Kombination mit Lithium oder
Valproinsäure (sogenannte Stimmungsstabilisatoren) in Erwägung
zu ziehen.
Bei einer Monotherapie schizodepressiver Krankheitsepisoden
mit Neuroleptika ist die therapeutische Effizienz bei einer ausgeprägt
depressiven Symptomatik eher gering zu sehen. Der Einsatz von
Neuroleptika, die sowohl eine neuroleptische als auch antidepressive
Wirkung aufweisen, ist ebenso wie eine Kombinationsbehandlung
von Neuroleptika und Antidepressiva möglich. Schizodepressive
Episoden sind ungleich häufiger als schizomanische und gestalten
sich in der Behandlung deutlich schwieriger.
In der Psychopharmakotherapie schizoaffektiver
Störungen finden sich Therapieoptionen mit Antikonvulsiva
in der Funktion von Moodstabilizer („Stimmungsstabilisatoren“)
und Neuroleptika, und hierbei vor allem wieder mit Atypika, die,
zusätzlich ihrer neuroleptischen Wirksamkeit, teils ebenfalls
Moodstabilizer sind:
Lithium, Valproinsäure, Carbamazepin, Oxcarbazepin, Lamotrigin,
Topiramat, Gabapentin, Olanzapin, Risperidon, Ziprasidon, Zotepin
sowie typische Neuroleptika.
Kombinationstherapien ergeben sich mit der
Hoffnung eines breiteren Wirkungspotentials bei geringerem Nebenwirkungspotential.
Für Moodstabilizer können folgende
Mindestanforderungen postuliert werden:
1)Prophylaktische Wirksamkeit bei den verschiedenen Formen bipolarer
Störungen sowie bei schizoaffektiven Störungen und Zyklothymie
2)Kein „Kipp-Phänomen“ (rascher Wechsel zwischen
manischer und depressiver Verstimmung)
3)Keine Verschlechterung in der Akutphase.
Moodstabilizer zeichnen sich durch folgende
Wirkmechanismen aus:
1)Hemmung der postsynaptischen Signalübertragung im wesentlichen
durch eine Verringerung intrazellulärer Calciumfreisetzung
2)Unterdrückung des sogenannten „kindling“, eines
elektrophysiologischen Prozesses primär für epileptische
Anfälle formuliert, welches die Verhältnisse steigender
Vulnerabilität im Krankheitsverlauf beschreibt.
Obgleich Pharmakotherapie die Therapie der
Wahl bei schizoaffektiver Störungen ist, ist zugleich aber
auch auf den hohen Stellenwert psychotherapeutischer und soziotherapeutischer
Maßnahmen hinzuweisen.
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