Es ist festzuhalten, dass schizophren erkrankte
Menschen ein erheblich höheres Risiko haben, an Alkoholismus
zu erkranken als nicht- schizophren Erkrankte. Das wundert nicht
weiter, wissen wir doch, dass Alkohol durchaus kurzfristig psychotische
Symptome lindern kann- als Ursachen für Alkoholismus bei
Schizophrenen wurde von diesen v.a. Ängste, Schlafstörungen
und Kontaktschwierigkeiten angegeben, nebst der Wunsch der Zugehörigkeit
zu einer bestimmten Gruppe, der Wunsch, soziale Kontakte aufrechtzuerhalten
oder zu knüpfen oder auch die Suche nach einer Identität,
aber auch Langeweile.
Schizophrene Menschen erkranken 4mal so häufig an Alkoholismus
als nicht-Schizophrene.
Untersuchungen zeigen weiters, dass psychotische
Menschen mit zusätzlichem Alkoholismus sich häufiger
suizidieren und auch ein höheres Risiko für aggressive
oder sogar delinquente Handlungen zeigen.
Einiges deutet auch darauf hin, dass regelmäßig
Alkohol konsumierende Schizophrene eher an tardiven Dyskinesien
(späte Nebenwirkungen der – v.a. „alten“
Neuroleptika) leiden- andererseits können Neuroleptika- bedingte
Nebenwirkungen den Substanzmissbrauch begünstigen.
2.Alkoholismus begünstigt die Entstehung
von Psychosen
Wie das? Schauen wir uns einfach einige Symptome
an, die Alkoholkranke aufweisen:
a.Der Rausch: Beim leichten Rausch
(0.5 bis 1 Promille) finden sich neben diversen neurologischen
Symptomen bereits psychische: Beeinträchtigung von Konzentration
und Gedanken, Antriebsteigerung vs. Müdigkeit. Beim mittelgradigen
Rausch (1.5 bis 2 Promille) verstärken sich psychische Symptome:
Es kommt häufig zur affektiven Enthemmung, Euphorie, aber
auch Gereiztheit und Aggressivität im raschen Wechsel, die
Kritikfähigkeit ist deutlich eingeschränkt, Konzentration
und Auffassungsgabe massivst gestört. Beim schweren Rausch
(über 2 Promille) kommt es zu zunehmenden Bewusstseinsstörungen,
Angst und Erregung und- bei entsprechend prädisponierten
Menschen auch schon zu Halluzinationen variabler Natur.
b.Das Alkoholentzugssyndrom: Bereits beim Nicht-Alkoholkranken
finden wir nach einer durchzechten Nacht bereits psychische Symptome
wie Depression, Angst und leichte Schreckhaftigkeit. Beim Alkoholkranken
kann das Absetzen von Alkohol fatale Folgen haben, die nebst schwersten
körperlichen Symptomen auch mit durchaus psychotischen Symptomen
wie Angst, Desorientiertheit, Gereiztheit und Halluzinationen,
vorwiegend optischen und akustischen, einhergehen.
c.Die Alkoholhalluzinose: Ist eine Psychotische
Störung bei Alkoholabhängigen und ähnelt klinisch
stark der Paranoiden Schizophrenie. Leitsymptome sind Akustische
Halluzinationen ohne Vorliegen einer Bewusstseins- oder Orientierungsstörung,
Angst sowie verschiedene Wahnsymptome.
d.Als weitere psychotische Störungen bei
Alkoholkranken sei hier nur noch der Alkoholische Eifersuchtswahn
und die sog. Alkoholparanoia erwähnt.
Alkohol setzt also das Realitätsempfinden
bei allen Menschen – und damit natürlich bei besonders
anfälligen wie jenen, die an einer Psychose erkrankt sind
umso mehr – herab.
Nicht zu vergessen ist dabei natürlich, dass
Alkohol bei Patienten, die Psychopharmaka einnehmen, viel stärker
wirkt!
Zum Thema Alkoholismus alleine gäbe es noch
viel zu sagen: Die schwerwiegenden körperlichen Folgeerkrankungen,
die Wirkung auf das Nervensystem, die sozialen Schäden usw.-
das ist hier aber nicht mein Teil. Wichtig ist zu wissen, dass
Alkohol- bzw. auch jede Form anderen Substanzmissbrauchs eine
komplexe Verquickung mit psychotischen Erkrankungen sowohl in
deren ursächlichen aber auch konsekutiven Ausprägungen
haben kann.
Zum Abschluss sei noch eine Stelle aus einem Brief,
den der Autor Joseph Roth, ein „bekennender Trinker“,
an seinen Freund Stefan Zweig schrieb, zitiert:
„Mit lechzender Zunge laufe ich herum, ein
Schnorrer. Ich habe keine Nächte mehr. Ich sitze bis 3 Uhr
morgens herum, ich lege mich angezogen um 4 Uhr hin, ich erwache
um 5 Uhr und wandere irr durchs Zimmer. Eine Stunde ist ein See,
ein Tag ein Meer, die Nacht eine Ewigkeit, das Erwachen ein Höllenschreck.“
Joseph Roth ist 45 Jahre alt geworden.